Evaluationsstandards

Aus Eval-Wiki: Glossar der Evaluation
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Sollbestimmung zu anzustrebenden Eigenschaften von Evaluationen, damit diese hohe Güte und Tauglichkeit erreichen können. Evaluationsfachleute haben sich in Fachgesellschaften oder Komitees auf Sets von Evaluationsstandards geeinigt, welche den Charakter von Sollstandards haben. Sie dienen als Basis u. a. für die Planung von Evaluationen, die Evaluation von Evaluationen (Meta-Evaluation) sowie die Aus- und Weiterbildung in Evaluation. Nach Typen von Evaluationsgegenständen unterschieden gibt es Programmevaluationsstandards, Personalevaluationsstandards sowie Standards für die Lernendenevaluation. Verbreitete Hauptgruppen von Evaluationsstandards sind Nützlichkeit, Durchführbarkeit, Fairness bzw. Korrektheit und Genauigkeit.

Die Texte sind Zeugnis eines paradigmatischen Wandels: Die technische Perfektion der Untersuchungsinstrumente und -designs, wie sie für die Evaluationspraxis bis in die 70er Jahre prägend war, reicht heute als Qualitätsausweis nicht mehr hin. Von Beginn notwendig ist eine klare Dienstleistungsorientierung an den Informationsinteressen der Nutzerinnen und Nutzer der Evaluationen und ihrer Ergebnisse. Zu diesen zählen nicht nur Auftraggebende und Finanziers sondern auch andere wichtige Beteiligte & Betroffene. Die Verantwortung der Evaluatorin/des Evaluators wird über technische Fragen hinaus auf Fragen der Programm- und Organisationsentwicklung ausgeweitet, bis hin zur Berücksichtigung des öffentlichen Wohls. Evaluation steht im Spannungsfeld von Werten der sozialen Praxis, sei es in öffentlichen Organisationen oder in privaten Unternehmen.

Für unterschiedliche Arten von Evaluationsgegenständen sind verschiedene Evaluationsstandards entwickelt worden: die prominentesten sind jene für die Evaluation von Programmen, von Lernenden und von Personal.

--> zu den JCSEE-Standards (Joint Committee on Standards for Educational Evaluation)

--> zu den Evaluations-Standards der Schweizerischen Evaluationsgesellschaft (SEVAL)

Evaluationsstandards der Gesellschaft für Evaluation (DeGEval) (2016)

Die Evaluationsstandards der Gesellschaft für Evaluation beschreiben, wie eine Evaluation auszugestalten ist, damit sie eine hohe Qualität aufweist. Die einzelnen Standards sind teilweise sehr anspruchsvoll und konkurrieren miteinander. Sie dienen insbesondere zur Orientierung für die Durchführung von Evaluationen und die Vergabe sowie Beurteilung von Evaluationen.

Nützlichkeit

Die Nützlichkeitsstandards sollen sicher stellen, dass die Evaluation sich an den geklärten Evaluationszwecken sowie am Informationsbedarf der vorgesehenen Nutzer und Nutzerinnen ausrichtet.

Name Inhalt
N1 Identifizierung der Beteiligten und Betroffenen Die am Evaluationsgegenstand oder an der Evaluation Beteiligten sowie die von Evaluationsgegenstand oder Evaluation Betroffenen sollen vorab identifiziert werden, damit deren Interessen und Informationsbedürfnisse geklärt und so weit wie möglich bei der Anlage der Evaluation berücksichtigt werden können.
N2 Klärung der Evaluationszwecke Es soll deutlich bestimmt sein, welche Zwecke mit der Evaluation verfolgt werden, so dass die Beteiligten und Betroffenen Position dazu beziehen und die Evaluierenden einen klaren Arbeitsauftrag verfolgen können.
N3 Glaubwürdigkeit und Kompetenz des Evaluators / der Evaluatorin Wer Evaluationen durchführt, soll fachlich und methodisch kompetent sein, damit für die Evaluation und ihre Ergebnisse ein Höchstmaß an Glaubwürdigkeit und Akzeptanz erreicht wird.
N4 Auswahl und Umfang der Informationen Auswahl und Umfang der erfassten Informationen sollen die adäquate Beantwortung der zu untersuchenden Fragestellungen zum Evaluationsgegenstand ermöglichen und die Informationsbedürfnisse der Auftraggebenden und weiterer Beteiligter und Betroffener berücksichtigen.
N5 Transparenz von Werthaltungen Werthaltungen der Beteiligten und Betroffenen, die sich in deren Perspektiven und Annahmen manifestieren und einen Einfluss haben auf die Evaluation und Interpretation ihrer Ergebnisse, sollten transparent dokumentiert werden, um Evaluationsergebnisse besser einordnen zu können.
N6 Vollständigkeit und Klarheit der Berichterstattung Evaluationsberichte sollen alle wesentlichen Informationen zur Verfügung stellen und für ihre Adressatinnen und Adressaten verständlich und nachvollziehbar sein.
N7 Rechtzeitigkeit der Evaluation Evaluationsvorhaben sollen so rechtzeitig begonnen und abgeschlossen werden, dass ihre Ergebnisse in anstehende Entscheidungs-, Verbesserungs- oder sonstige Nutzungsprozesse einfließen können.
N8 Nutzung und Nutzen der Evaluation Planung, Durchführung und Berichterstattung einer Evaluation sollen die Beteiligten und Betroffenen dazu ermuntern, die Evaluation mitzutragen und ihre Ergebnisse zu nutzen.

Durchführbarkeit

Die Durchführbarkeitsstandards sollen sicher stellen, dass eine Evaluation realistisch, gut durchdacht, diplomatisch und kostenbewusst geplant und ausgeführt wird.

Name Inhalt
D1 Angemessene Verfahren Evaluationsverfahren, einschließlich der Verfahren zur Beschaffung notwendiger Informationen, sollen so gewählt werden, dass einerseits die Evaluation professionell und den Erfordernissen entsprechend umgesetzt wird und andererseits der Aufwand für die Beteiligten und Betroffenen in einem adäquaten Verhältnis zum intendierten Nutzen der Evaluation gehalten wird.
D2 Diplomatisches Vorgehen Evaluationen sollen so geplant und durchgeführt werden, dass eine möglichst hohe Akzeptanz der verschiedenen Beteiligten und Betroffenen in Bezug auf Vorgehen und Ergebnisse der Evaluation erreicht werden kann.
D3 Effizienz von Evaluation Der Aufwand für Evaluation soll in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen der Evaluation stehen.

Fairness

Die Fairnessstandards sollen sicher stellen, dass in einer Evaluation respektvoll und fair mit den betroffenen Personen und Gruppen umgegangen wird.

Name Inhalt
F1 Formale Vereinbarungen Die Rechte und Pflichten der an einer Evaluation beteiligten Parteien (was, wie, von wem, wann getan werden soll und darf) sollen schriftlich festgehalten werden.
F2 Schutz individueller Rechte Evaluationen sollen so geplant und durchgeführt werden, dass Rechte, Sicherheit und Würde der in eine Evaluation einbezogenen Personen geschützt sind.
F3 Umfassende und faire Überprüfung Evaluationen sollen die Stärken und die Schwächen des Evaluationsgegenstandes möglichst fair und umfassend prüfen und darstellen.
F4 Unparteiische Durchführung und Berichterstattung Die Evaluation soll unterschiedliche Sichtweisen von Beteiligten und Betroffenen auf Gegenstand und Ergebnisse der Evaluation beachten. Der gesamte Evaluationsprozess sowie die Evaluationsberichte sollen die unparteiische Position der Evaluierenden erkennen lassen.
F5 Offenlegung von Ergebnissen und Berichten Evaluationsergebnisse und -berichte sollen allen Beteiligten und Betroffenen soweit wie möglich zugänglich gemacht werden.

Genauigkeit

Die Genauigkeitsstandards sollen sicher stellen, dass eine Evaluation gültige Informationen und Ergebnisse zu dem jeweiligen Evaluationsgegenstand und den Evaluationsfragestellungen hervor bringt und vermittelt.

Name Inhalt
G1 Beschreibung des Evaluationsgegenstandes Sowohl das Konzept des Evaluationsgegenstands als auch seine Umsetzung sollen genau und umfassend beschrieben und dokumentiert werden.
G2 Kontextanalyse Der Kontext des Evaluationsgegenstandes soll ausreichend umfassend und detailliert analysiert sowie bei der Interpretation von Ergebnissen berücksichtigt werden.
G3 Beschreibung von Zwecken und Vorgehen Zwecke, Fragestellungen und Vorgehen der Evaluation, einschließlich der angewandten Methoden, sollen so genau dokumentiert und beschrieben werden, dass sie nachvollzogen und beurteilt werden können.
G4 Angabe von Informationsquellen Die im Rahmen einer Evaluation genutzten Informationsquellen sollen hinreichend genau dokumentiert werden, damit die Verlässlichkeit und Angemessenheit der Informationen eingeschätzt werden können.
G5 Valide und reliable Informationen Erhebungsverfahren und Datenquellen sollen so gewählt werden, dass die Zuverlässigkeit der gewonnenen Daten und ihre Gültigkeit bezogen auf die Beantwortung der Evaluationsfragestellungen nach fachlichen Maßstäben sichergestellt sind. Die fachlichen Maßstäbe sollen sich an den Gütekriterien der empirischen Forschung orientieren.
G6 Systematische Fehlerprüfung Die in einer Evaluation gesammelten, aufbereiteten, analysierten und präsentierten Informationen sollen systematisch auf Fehler geprüft werden.
G7 Angemessene Analyse qualitativer und quantitativer Informationen Qualitative und quantitative Informationen einer Evaluation sollen nach fachlichen Maßstäben angemessen und systematisch analysiert werden, damit die Fragestellungen der Evaluation beantwortet werden können.
G8 Begründete Schlussfolgerungen Die in einer Evaluation getroffenen wertenden Aussagen sollen auf expliziten Kriterien und Zielwerten basieren. Schlussfolgerungen sollen ausdrücklich und auf Grundlage der erhobenen und analysierten Daten begründet werden, damit sie nachvollzogen und beurteilt werden können.
G9 Meta-Evaluation Meta-Evaluationen evaluieren Evaluationen. Um dies zu ermöglichen, sollen Evaluationen in geeigneter Form dokumentiert, archiviert und soweit wie möglich zugänglich gemacht werden.

Standards der Evaluation auf der Internetseite der DeGEval - Gesellschaft für Evaluation e.V.

Evaluationsstandards des JCSEE

Die Standards für Programmevaluationen des Joint Committee on Standards for Educational Evaluation (JCSEE). Kurzfassung der 3. Auflage 2010. Übersetzung der englischsprachigen Version durch Wolfgang Beywl und Thomas Widmer mit Veranschaulichung für Programme, Projekte und Angebote im Schulbereich.

Nützlichkeit

Die Nützlichkeitsstandards sollen den Wert der Prozesse und Produkte der Evaluation für die Beteiligten & Betroffenen des Programms gemäss ihren Bedürfnissen steigern.

Name Inhalt
N1 Glaubwürdigkeit der Evaluatorinnen Evaluationen sollen von qualifizierten Personen durchgeführt werden, die im Kontext der Evaluation Glaubwürdigkeit aufbauen und aufrechterhalten.
N2 Aufmerksamkeit gegenüber Beteiligten & Betroffenen Evaluationen sollen der gesamten Breite von Einzelpersonen und Gruppierungen Aufmerksamkeit widmen, die mit dem Programm verbunden und die durch die Evaluation betroffen sind.
N3 Ausgehandelte Zwecke Zwecke der Evaluation sollen identifiziert und fortlaufend – gestützt auf die Ansprüche der Beteiligten & Betroffenen – verhandelt werden.
N4 Explizite Werte Evaluationen sollen die individuellen und kulturellen Werte klären und spezifizieren, welche ihren Zwecken, Prozessen und Urteilen zugrunde liegen.
N5 Relevante Informationen Evaluationen sollen Informationen bereitstellen, welche den identifizierten und sich verändernden Interessen der Beteiligten & Betroffenen dienen.
N6 Sinnvolle Prozesse und Produkte Evaluationen sollen Aktivitäten, Beschreibungen und Beurteilungen so konzipieren, dass die Teilnehmenden ermutigt werden, ihre Verstehens- und Verhaltensweisen wieder zu entdecken, neu zu interpretieren oder zu revidieren.
N7 Rechtzeitiges und angemessenes Kommunizieren und Berichten Evaluationen sollen sich auf die sich entwickelnden Informationsinteressen der verschiedenen Adressierten ausrichten.
N8 Beachtung von Folgen und Einfluss Evaluationen sollen verantwortungsvolle und angemessene Nutzung fördern und dafür sorgen, dass nicht-intendierte negative Folgen sowie Missbräuche ausbleiben.

Durchführbarkeit

Die Durchführbarkeitsstandards sollen die Effektivität und Effizienz der Evaluation erhöhen.

Name Inhalt
D1 Projektmanagement Evaluationen sollen zielführende Strategien des Projektmanagements nutzen.
D2 Praktikable Verfahren Evaluationsverfahren sollen praktikabel sein und abgestimmt auf die Funktionsweise des Programms.
D3 Kontextuelle Tragfähigkeit Evaluationen sollen die kulturellen und politischen Interessen und Bedürfnisse von Individuen und Gruppen anerkennen, verfolgen und ausgewogen berücksichtigen.
D4 Ressourcennutzung Evaluationen sollen Ressourcen effektiv und effizient nutzen.

Korrektheit

Die Korrektheitsstandards stärken, was in der Evaluation ordnungsgemäss, ausgewogen, legal, richtig, angemessen und gerecht ist.

Name Inhalt
K1 Responsive und inklusive Orientierung Evaluationen sollen responsiv sein gegenüber den Beteiligten & Betroffenen sowie deren Umfeld.
K2 Formale Vereinbarungen Evaluationsvereinbarungen sollen so ausgehandelt sein, dass Verpflichtungen offengelegt und die Bedürfnisse, Erwartungen und kulturellen Kontexte von Auftraggebenden und anderen Beteiligten & Betroffenen einbezogen sind.
K3 Menschenrechte und Respekt Evaluationen sollen so gestaltet und durchgeführt werden, dass Menschenrechte und andere garantierte Rechte geschützt sind und die Würde der Teilnehmenden und anderer Beteiligter & Betroffener gewahrt wird.
K4 Klarheit und Fairness Evaluationen sollen verständlich und fair auf die Bedürfnisse und Absichten der Beteiligten & Betroffenen eingehen.
K5 Transparenz und Offenlegung Evaluationen sollen vollständige Beschreibungen der Ergebnisse, Begrenzungen und Folgerungen für alle Beteiligten & Betroffenen zur Verfügung stellen, soweit dies nicht gegen rechtliche Verpflichtungen oder den Anstand verstösst.
K6 Interessenkonflikte Evaluationen sollen offen und aufrichtig echte oder vermeintliche Interessenkonflikte, welche die Evaluation beeinträchtigen könnten, identifizieren und ansprechen.
K7 Finanzielle Verantwortung Evaluationen sollen alle eingesetzten Ressourcen ausweisen und den Erfordernissen an finanzielle Verfahren und Prozesse entsprechen.

Genauigkeit

Die Genauigkeitsstandards sollen die Belastbarkeit und Wahrhaftigkeit von Darstellungen, Aussagen und Befunden der Evaluation steigern, besonders in Bezug auf Interpretationen und Qualitätsurteile.

Name Inhalt
G1 Begründete Folgerungen und Entscheidungen Folgerungen und Entscheidungen der Evaluation sollen ausdrücklich auf die Kulturen und Kontexten bezogen sein, in denen sie Konsequenzen haben.
G2 Valide Informationen Evaluationsinformationen sollen zweckdienlich sein und gültige Interpretationen unterstützen.
G3 Reliable Informationen Evaluationsverfahren sollen hinreichend verlässliche und konsistente Informationen für die vorgesehenen Nutzungen hervorbringen.
G4 Explizite Beschreibungen von Programm und Kontext Evaluationen sollen Programme und deren Kontexte abgestimmt auf die Evaluationszwecke in angemessenem Detaillierungsgrad und Umfang dokumentieren.
G5 Informationsmanagement Evaluationen sollen systematische Methoden zur Sammlung, Überprüfung, Verifizierung und Speicherung von Informationen einsetzen.
G6 Fundierte Untersuchungsanlagen und Analysen Evaluationen sollen abgestimmt auf die Evaluationszwecke technisch angemessene Untersuchungsanlagen und Analysen einsetzen.
G7 Expliziter Argumentationsgang der Evaluation Die Argumentationslinie der Evaluation, die von Informationen und Analysen zu Befunden, Interpretationen, Folgerungen und Beurteilungen führt, soll klar und vollständig dokumentiert sein.
G8 Kommunikation und Berichterstattung Die Berichterstattung zu einer Evaluation soll angemessen umfangreich sein und vor Missverständnissen, Unausgewogenheiten, Verzerrungen sowie Fehlern schützen.

Evaluations-Verantwortlichkeit

Die Verantwortlichkeitsstandards fördern die angemessene Dokumentation der Evaluation und eine auf die Verbesserung und Verantwortlichkeit ausgerichtete, meta-evaluative Perspektive auf Evaluationsprozesse und -produkte.

Name Inhalt
E1 Dokumentation der Evaluation Evaluationen sollen ihre vereinbarten Funktionen und ihre eingesetzten Untersuchungsanlagen, ihre Verfahren, ihre Daten und Ergebnisse umfassend dokumentieren.
E2 Interne Meta-Evaluation Evaluatorinnen sollen diese und andere anwendbare Standards heranziehen, um die Verantwortlichkeit der Evaluationsanlage, die eingesetzten Verfahren, die gewonnenen Informationen und Ergebnisse zu prüfen.
E3 Externe Meta-Evaluation Geldgeber, Auftraggeber, Evaluatorinnen und andere Beteiligte & Betroffene von Programmevaluationen sollen die Durchführung externer Meta-Evaluationen anregen, denen diese und andere anwendbare Standards zugrunde gelegt werden.

Die Standards für Programmevaluation des Joint Committee on Standards for Educational Evaluation

Evaluations-Standards der Schweizerischen Evaluationsgesellschaft (2000) (SEVAL-Standards)

Die Evaluations-Standards der Schweizerischen Evaluationsgesellschaft, nachfolgend kurz SEVAL-Standards genannt, sollen einen Beitrag zur Professionalisierung der Evaluation in der Schweiz leisten. Die Einhaltung der SEVAL-Standards erhöht die Glaubwürdigkeit, Qualität und Vertrauenswürdigkeit von Evaluationen. Nur das positive Zusammenwirken aller Beteiligten, also von

• Evaluatorinnen und Evaluatoren,

• Auftraggeberinnen und Auftraggeber sowie

• weiteren, an der Evaluation beteiligten Personen

schafft die Basis für Evaluationen von hoher Qualität. Die SEVAL-Standards formulieren deshalb Kriterien, die alle an Evaluationen beteiligten Personen in die Pflicht nimmt.

Nützlichkeit

Die Nützlichkeitsstandards stellen sicher, dass sich eine Evaluation an den Informationsbedürfnissen der vorgesehenen Evaluationsnutzerinnen und -nutzer ausrichtet.

Name Inhalt
N1 Ermittlung der Beteiligten & Betroffenen Die an einer Evaluation beteiligten und die von ihr betroffenen Personen werden identifiziert, damit deren Interessen und Bedürfnisse berücksichtigt werden können.
N2 Klärung der Evaluationsziele Alle an einer Evaluation mitwirkendende Personen sind dafür besorgt, dass die Ziele der Evaluationen für alle Beteiligten & Betroffenen geklärt sind.
N3 Glaubwürdigkeit Wer Evaluationen durchführt, ist sowohl vertrauenswürdig als auch kompetent, damit bei den Evaluationsergebnissen ein Höchstmass an Glaubwürdigkeit und Akzeptanz erreicht wird.
N4 Umfang und Auswahl der Informationen Der Umfang und die Auswahl der erhobenen Informationen ermöglichen die Behandlung sachdienlicher Fragen zum Evaluationsgegenstand und berücksichtigen gleichzeitig die Interessen und Bedürfnisse des Auftraggebers und anderer Beteiligter & Betroffener.
N5 Transparenz der Bewertung Die Perspektiven und Gedankengänge, auf denen die Interpretation der Ergebnisse beruht, werden so beschrieben, dass die Grundlagen der Werturteile klar ersichtlich sind.
N6 Vollständigkeit und Klarheit des Berichts Evaluationsberichte beschreiben den Evaluationsgegenstand einschliesslich seines Kontextes ebenso wie die Ziele, die Fragestellungen, die Verfahren und Befunde der Evaluation, damit die wesentlichen Informationen zur Verfügung stehen und leicht verstanden werden können.
N7 Rechtzeitigkeit der Berichterstattung Wichtige Zwischenergebnisse und Schlussberichte werden den vorgesehenen Nutzerinnen und Nutzern so zur Kenntnis gebracht, dass diese sie rechtzeitig verwenden können.
N8 Wirkung der Evaluation Planung, Durchführung und Darstellung einer Evaluation ermuntern die Beteiligten & Betroffenen dazu, dem Evaluationsprozess zu folgen und die Evaluation zu nutzen.

Durchführbarkeit

Die Durchführbarkeitsstandards stellen sicher, dass eine Evaluation realistisch, gut durchdacht, diplomatisch und kostenbewusst ausgeführt wird.

Name Inhalt
D1 Praktikable Verfahren Evaluationsverfahren sind dazu geeignet, die benötigten Informationen zu beschaffen ohne den Evaluationsgegenstand oder die Evaluation unnötig zu beeinträchtigen.
D2 Politische Tragfähigkeit Evaluationen werden unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Positionen der verschiedenen Interessengruppen geplant und durchgeführt, um deren Kooperation zu erreichen und um mögliche Versuche irgendeiner dieser Gruppen zu vermeiden, die Evaluationsaktivitäten einzuschränken oder die Ergebnisse zu verzerren respektive zu missbrauchen.
D3 Kostenwirksamkeit Evaluationen bringen Informationen mit einem Wert hervor, der die eingesetzten Mittel rechtfertigt.

Korrektheit

Die Korrektheitsstandards stellen sicher, dass eine Evaluation rechtlich und ethisch korrekt durchgeführt wird und dem Wohlergehen der Beteiligten & Betroffenen gebührende Aufmerksamkeit widmet.

Name Inhalt
K1 Formale Vereinbarungen Die Pflichten der Vertragsparteien einer Evaluation (was, wie, von wem, wann getan werden soll) werden schriftlich festgehalten, damit die Parteien verpflichtet sind, alle Bedingungen dieser Vereinbarung zu erfüllen oder diese neu auszuhandeln.
K2 Schutz individueller Rechte Evaluationen werden so geplant und durchgeführt, dass die Rechte und das Wohlergehen der Menschen respektiert und geschützt sind.
K3 Menschlich gestaltete Interaktion Evaluationen sind so angelegt, dass die Kontakte zwischen den Beteiligten von gegenseitiger Achtung geprägt sind.
K4 Vollständige und faire Einschätzung Evaluationen sind in der Überprüfung und in der Darstellung der Stärken und Schwächen des Evaluationsgegenstandes vollständig und fair, so dass die Stärken weiter ausgebaut und die Problemfelder behandelt werden können.
K5 Offenlegung der Ergebnisse Die Vertragsparteien einer Evaluation stellen sicher, dass die Evaluationsergebnisse den betroffenen Personen zugänglich gemacht werden, ebenso wie all jenen, die einen ausgewiesenen Anspruch darauf haben.
K6 Deklaration von Interessenkonflikten Interessenkonflikte werden offen und aufrichtig behandelt, damit sie die Evaluationsverfahren und -ergebnisse möglichst wenig beeinträchtigen.

Genauigkeit

Die Genauigkeitsstandards stellen sicher, dass eine Evaluation gültige und verwendbare Informationen hervorbringt und vermittelt.

Name Inhalt
G1 Dokumentation des Evaluationsgegenstandes Der Evaluationsgegenstand wird klar und genau beschrieben und dokumentiert, so dass er eindeutig identifiziert werden kann.
G2 Kontextanalyse Die Einflüsse des Kontextes auf den Evaluationsgegenstand werden identifiziert.
G3 Beschreibung von Zielen und Vorgehen Ziele, Fragen und Vorgehen der Evaluation werden ausreichend genau dokumentiert und beschrieben, so dass sie identifiziert und beurteilt werden können.
G4 Verlässliche Informationsquellen Die in einer Evaluation genutzten Informationsquellen sind hinreichend genau beschrieben, damit die Angemessenheit der Informationen eingeschätzt werden kann.
G5 Valide und reliable Informationen Die Verfahren zur Gewinnung von Informationen werden so gewählt oder entwickelt und dann eingesetzt, dass Gültigkeit und Zuverlässigkeit der gewonnenen Interpretationen für den gegebenen Zweck sichergestellt sind.
G6 Systematische Informationsüberprüfung Die in einer Evaluation gesammelten, aufbereiteten und präsentierten Informationen werden systematisch auf Fehler überprüft.
G7 Analyse qualitativer und quantitativer Informationen Qualitative und quantitative Informationen einer Evaluation werden angemessen und systematisch analysiert, damit die gestellten Fragen durch die Evaluation effektiv beantwortet werden.
G8 Begründete Schlussfolgerungen Die in einer Evaluation gezogenen Folgerungen werden ausdrücklich begründet, damit die Beteiligten & Betroffenen diese nachvollziehen und einschätzen können.
G9 Unparteiische Berichterstattung Die Berichterstattung wird gegenüber Verzerrungen durch persönliche Gefühle und Vorlieben irgendeiner Evaluationspartei geschützt, so dass Evaluationsberichte die Ergebnisse fair wiedergeben.
G10 Meta-Evaluation Die Evaluation selbst wird anhand der vorliegenden oder anderer wichtiger Standards evaluiert, so dass die Durchführung entsprechend angeleitet werden kann und damit die Beteiligten & Betroffenen bei Abschluss einer Evaluation deren Stärken und Schwächen einschätzen können.

Evaluations-Standards auf der Internetseite der SEVAL – Schweizerische Evaluationsgesellschaft

Englischer Begriff

evaluation standard

Französischer Begriff

standard d'évaluation

Quellen

  • Widmer, Thomas/Landert, Charles/Bachmann, Nicole (2000): Evaluations-Standards der Schweizerischen Evaluationsgesellschaft (SEVAL-Standards). Bern/Genève: SEVAL.
  • DeGEval – Gesellschaft für Evaluation (2008): Standards für Evaluation. Mainz: DeGEval. (DeGEval-Standards online)
  • Sanders, James R./JCSEE – Joint Committee on Standards for Educational Evaluation (2006): Handbuch der Evaluationsstandards. Die Standards des Joint Committee on Standards for Educational Evaluation. 3., erweiterte und aktualisierte Auflage. Wiesbaden: VS Verlag.

Stand

16.03.2016