Erfassung vorhandener Erzeugnisse und Verhaltensspuren

Aus Eval-Wiki: Glossar der Evaluation
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Eine der drei Haupt-Datenerhebungsmethoden; sie erfasst unabhängig (daher „non-reaktiv“) von der Untersuchung, oft zeitlich vorgängig (auch parallel) entstandene, (a) von Menschen mit bestimmten Intentionen erstellte Gegenstände (Erzeugnisse) oder (b) unbewusst zurück gelassene Überbleibsel von Verhalten (Verhaltensspuren).

Im Unterschied zu vielen anderen Erhebungsmethoden, namentlich der Befragung hat der Einsatz dieser Datenerhebungsmethoden keinen Einfluss auf die Ausprägungen der erhobenen Daten (Non-Reaktivität).

Trotz dieses Vorteils der Non-Reaktivität und der damit ermöglichten hohen internen Validität der Daten und auch der geringen Kosten werden solche Datenerhebungsmethoden in der Evaluation selten angewandt. Zur Anregung daher nachfolgend einige Beispiele…

zu (a) Erzeugnissen: Plastische Knetfiguren aus einer Kindergartengruppe, wärmegedämmte Hausfassaden, Zeichnungen (Kinderzeichnungen, Tatortskizzen, Fotos z.B. auf Schulwebseiten); außerdem Dokumente wie Texte (Briefe an Brieffreunde, Schulleitbilder), Zahlen/Berechnungen (Einträge in Haushaltsbüchern oder Budgets von Ministerien, öffentliche oder innerbetriebliche Statistiken oder Berichte, Evaluations- und Forschungsberichte, Meta-Analysen (siehe Dokumentenanalyse)

zu (b) Verhaltensspuren: Abnutzungen an Kinderspielzeug in Kindergärten, Schlüsselbundabriebe an Wohnungstüren, Bewegungsspuren auf Bibliotheksböden, Verpackungsmüll in Mülleimern oder auf wilden Deponien

Englischer Begriff

collection of existing products and behavioral traces

Französischer Begriff

relevé des produits et des traces de comportement qui existent

Quellen

  • Silverman, David (2006): Interpreting qualitative data. Sage: London, Thousands Oaks, New Dehli, insb. S.153-200.
  • Flick, Uwe (2009): An Introduction to Qualitative Research. 4. Edition. London, Thousand Oaks, New Dehli: Sage., insb. S. 219-290.
  • Lueger, Manfred (2010): Interpretative Sozialforschung: Die Methoden. Wien: Facultas, S. 92-152.

Stand

25.04.2016