Beobachtung

Aus Eval-Wiki: Glossar der Evaluation
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine der drei Haupt-Datenerhebungsmethoden; bezeichnet die visuelle und/oder auditive Betrachtung von Geschehnissen wie sozialen bzw. interaktiven Prozessen und Situationen sowie Handlungsabläufen. Beobachtungen können in verschiedener Hinsicht unterschieden werden:

  • bei einem hohen Strukturierungsgrad wird ein geschlossenes Beobachtungsraster verwendet, das die zu beobachtenden Merkmale der Situation und eine endliche Liste ihrer Ausprägungen enthält. Bei einer gering strukturierten Beobachtung erfassen die Beobachtenden situativ vorher nicht festgelegte Aspekte.
  • teilnehmend oder nicht-teilnehmend: bei einer teilnehmenden Beobachtung (wie bswp. im Rahmen von längeren Feldaufenthalten wie in ethnographischen Evaluationsansätzen) nimmt die beobachtende Person an den Interaktionen des Felds, das beobachtet wird, mehr oder weniger aktiv teil. Bei einer nicht-teilnehmenden Beobachtung bleibt die beobachtende Person außerhalb des Felds, das sie beobachtet; in Extremfällen z.B. hinter einem Einwegspiegel oder in weiter Entfernung mit einem Feldstecher ausgerüstet, oder als Zuschauer einer Live-Videoaufnahme (Wird die Videoaufzeichnung zeitlich versetzt ausgewertet, handelt es sich um eine Mischform zwischen Beobachtung und Erfassung vorhandener Erzeugnisse und Verhaltensspuren.
  • offen oder verdeckt: bei einer offenen Beobachtung wissen die Personen oder können zumindest erkennen, dass sie beobachtet werden. Bei einer verdeckten Beobachtung ist das nicht der Fall (wie in der Regel bei der Beobachtung durch einen Einwegspiegel). Bei offenen Beobachtungen ist zu berücksichtigen, dass die Beobachtung reaktive, das Geschehen beeinflussende Effekte hervorrufen kann (indem die Beobachtenden über Ziel und Inhalt der Beobachtung nachdenken und sich in ihrem Handeln darauf einstellen). Bei verdeckten Beobachtungen stellen sich oft untersuchsungsethische Fragen, die in der Evaluation von besonderer Bedeutung sind, da die Beobachteten meist auch Stakeholder sind, deren Interessen in Bezug auf das Programm transparent einbezogen werden müssen. (vgl. die Evaluationsstandards).

Englischer Begriff

observation

Französischer Begriff

observation

Quellen

  • Döring, Nicola/Bortz, Jürgen (2016): Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften. 5. vollständig überarbeitete, aktualisierte und erweiterte Auflage. Heidelberg: Springer. S. 323ff.
  • Fassnacht, Gerhard (1995): Systematische Verhaltensbeobachtung. Eine Einführung in die Methodologie und Praxis. 2., völlig neubearb. Aufl. München: Ernst Reinhardt Verlag.
  • Greve, Werner/Wentura, Dirk/Gräser, Horst (1997): Wissenschaftliche Beobachtung eine Einführung. [2. korrig. Aufl.]. Weinheim: Beltz.
  • Kromrey, Helmut (2009): Empirische Sozialforschung. Stuttgart: Lucius § Lucius, insb. S. 325-335.
  • Lueger, Manfred (2010): Interpretative Sozialforschung: Die Methoden. Wien: Facultas, S. 40-91.

Stand

18.04.2016